Alter Lobpreis

Gott loben mit den Christen vor uns

Müder Geist   

 

Müder Geist, nun komm zur Ruh,
lass das Gedankenkreisen,
Schließ die Augen sachte zu,
Gott will dir Gutes weisen;
Schweig vor Gott und halt ihm still,
dass er wirke, wie er will!

Still, geschäftiger Verstand,
Ruhe Du mein Denken!
Wahrheit kommt von Gott allein,
Verstehen will er schenken
Soll Gott wirken frei und rein,
muss es in mir stille sein.

Naher Gott ich merke wohl,
deine tiefe Liebe
dass ich mich fallen lassen soll
in Deine tiefste Tiefe
Du willst alles für mich sein,
in mir wirken ganz allein.

Nein, du lässt mich nicht allein,
mit Ängsten und mit Plänen
alle Sorgen geb ich Dir,
mein Wünschen und mein Sehnen
Ich will dich allein ansehn,
Ich will ohne dich nicht gehn.

Heilger Geist, kehr in mir ein,
dir sei mein ganzes Leben
wirke du in mir allein
mein Wollen und mein Streben
jetzt und ewig es nun sei,
du machst mich wahrhaftig frei

 

 

frei nach Gerhard Tersteegen um 1750

 

In den Texten von Gerhard Tersteegen geht es oft darum, den Betenden gedanklich in einigen Schritten von sich selbst weg und hin zu Gott zu führen. In dieser Umformung von Tersteegens Text wird dieses Anliegen in verständlicher Sprache aufgegriffen: in den ersten beiden Strophen spricht sich der Betende selbst an und möchte in eine hörende Stille vor Gott kommen. Ab der 3. Strophe wird Gott angesprochen, seine Liebe und Fürsorge werden dabei betont, bis am Ende der Hl. Geist als freimachende Lebensmitte eingeladen wird.